| Veranstaltung: | Mitgliederversammlung 26/3 |
|---|---|
| Tagesordnungspunkt: | TOP 5 Anträge |
| Antragsteller*in: | AK Klimagerechtigkeit (dort beschlossen am: 06.09.2026) |
| Status: | Eingereicht |
| Eingereicht: | 06.09.2026, 17:48 |
A4: München hitzefest machen - Klimagerechtigkeit beginnt vor Ort!
Antragstext
37,6 Grad Celsius. Das ist der neue Hitzerekord für München seit Ende Juni [1].
Auch deutschlandweit war dieser Sommer sehr heiß, mit den meisten Hitzetagen
jemals [2]. Durch die Erderhitzung werden Sommer wie diese mindestens zum neuen
Normal. Daraus folgt: Es braucht entschlosseneren Klimaschutz von allen Seiten.
Und: Die Stadt München muss sich an den Klimawandel anpassen, um Hitzetote zu
verhindern, Produktivitätsverluste zu verringern und eine lebenswerte Stadt für
alle zu sichern. Da der Klimawandel besonders sozial schwächer gestellte
Menschen in Hitzevierteln trifft, müssen politische Maßnahmen immer sozial
gerecht gestaltet sein.
Aus diesen Gründen soll die Mitgliederversammlung der GRÜNEN JUGEND München
beschließen:
1) Die Stadt braucht mehr Begrünung, besonders in Hitzevierteln. Dafür soll
Fassadenbegrünung, Dachbegrünung und Gemeinschaftsgärten auf Dächern und in
Wohnanlagen nach dem Prinzip der „Essbaren Stadt“ stärker gefördert werden,
wobei in der Stadtklimaanalyse als Hitzeviertel ausgewiesene Gebiete bevorzugt
berücksichtigt werden sollen. Als „Essbare Stadt“ verstehen wir hier ein
Städtekonzept, bei dem auf öffentlichen gut zugänglichen Flächen kostenfrei und
gemeinschaftlich Lebensmittel für den täglichen Gebrauch angebaut werden. Das
kann zum Beispiel in Gemeinschaftsgärten und Dachgärten stattfinden. [3]
Begrünung kühlt sowohl Hausfassaden als auch Umgebung und wirkt dem sogenannten
städtischen Hitzeinseleffekt entgegen. Beispiele wie in der Adlzreiterstraße
zeigen, wie Häuser abgekühlt, gedämmt und nebenbei Nachbarschaft gefördert
werden kann. [4]
2) Das Ziel, die Stadt München zur Schwammstadt zu machen, soll mit Leben
gefüllt werden. Wichtig hierbei sind Konzepte, die vor Ort erlebbar sind und ein
positives Gemeinschaftsgefühl erzeugen. In den vergangenen Jahren hat der
Wettbewerb „Abpflastern“ nach niederländischem Vorbild auch in Deutschland
Bekanntheit erfahren. In diesem Jahr haben bereits verschiedene Städte in
Bayern, etwa Ingolstadt und Nürnberg, teilgenommen. Wir fordern die Stadt
München auf, eine Teilnahme im Jahr 2027 vorzubereiten. Dazu gehören:
- Vorbereitung einer Öffentlichkeitskampagne, die die Stadtbevölkerung motiviert
sich hier proaktiv zu engagieren.
- Prüfung von Haushaltsmitteln, um Teilnehmenden die Kosten für die Entsorgung
von entstehendem Bauschutt abzunehmen (analog Neumünster, [5]) sowie eine
klimafreundliche Bepflanzung zu subventionieren (analog Flensburg, [6]).
- Planung städtischer Pilotprojekte, die die in dem Wettbewerbszeitraum 2027
umgesetzt werden können. Die Stadt München soll hier mit positivem Beispiel
vorangehen und sowohl andere Städte als auch ihre eigenen Bürger*innen
inspirieren.
3) Davon unabhängig muss jede Fläche auf ihr Entsiegelungspotential geprüft
werden. Leider führt dies innerhalb der Stadtgesellschaft häufig zu
Zerwürfnissen, die dem gemeinsamen Ansinnen der Klimaanpassung im Wege stehen.
Paradebeispiel ist der immer wieder aufflammende Kampf um Parkplätze. Wir
bekennen uns klar zu unserem Ziel einer autofreien Stadt innerhalb des mittleren
Rings. Gleichzeitig stellen wir fest, dass viele Parkplätze kurzfristig weiter
bestehen werden. Wir fordern die Stadt daher auf, mit größerem Nachdruck die
nächtliche Nutzung von Supermarktparkplätzen oder die gemeinschaftliche Nutzung
von Firmenparkplätzen zu prüfen und zu ermöglichen, damit real durch Begrünung
weniger Parkplätze wegfallen. Gleichwohl müssen bestehen bleibende Parkplätze im
öffentlichen Raum, etwa am Straßenrand, keine vollständige Versiegelung
bedeuten. Statt auf Asphalt kann hier auch auf Rasengittersteinen oder
versickerungsfähigem Pflaster geparkt werden. So blieben Parkplätze bestehen,
die Straße hat jedoch nun zumindest ein minimales Sickerpotential. Wir fordern
die Stadt explizit auf, bei kommenden Umbaumaßnahmen stets jede noch so kleine
Möglichkeit zur Entsiegelung konsequent zu nutzen.
4) Städtische Bauprojekte müssen hitzeresilient werden. Bei allen städtischen
Neubau-, Umbau- und Sanierungsprojekten sollen Klimaanpassung und Hitzeschutz
von Beginn an mitgedacht werden. Dazu gehören insbesondere ausreichende
Verschattung, Wärmepumpen, die im Sommer als Klimaanlagen genutzt werden können
und ausreichende Begrünung, wobei diese Maßnahmen insbesondere in stark
hitzebelasteten Quartieren priorisiert werden sollen. Außerdem sollten
Klimaanlagen und Wärmepumpen – wenn möglich – mit Photovoltaik kombiniert
werden.
5) Der öffentliche Nahverkehr muss auch bei zunehmender Hitze zuverlässig
nutzbar bleiben. Die Stadt München soll sich dafür einsetzen, die Klimatisierung
und Belüftung von Bussen und Tram weiter zu verbessern und die Ausfallsicherheit
zu erhöhen. Auch bei der Beschaffung neuer Fahrzeuge soll eine leistungsfähige
Klimatisierung verbindlicher Standard sein. Die U-Bahnen in München sind aktuell
nicht mit Klimaanlagen ausgestattet, was auf den meisten Linien im Untergrund
auch nicht nötig ist. Bei Linien an der Oberfläche (U6 nach Garching) führt dies
an heißen Tagen aber zu unzumutbaren Temperaturen in der U-Bahn. Wir fordern
daher den Einbau von Klimaanlagen oder anderen kühlenden Maßnahmen in der U6 zu
prüfen und umzusetzen.
6) Städtische Schulen brauchen klare Regeln für Hitzefrei. Die Stadt München
sollte für ihre Schulen verbindliche Empfehlungenfür Unterricht bei extremer
Hitze entwickeln und sich dabei an Empfehlungen von der Allianz Klimawandel und
Gesundheit orientieren. Wenn Unterricht in den Schulgebäuden aufgrund der
Temperaturen nicht mehr sinnvoll möglich ist, soll der Unterricht frühzeitig
beendet oder in geeignete kühlere Räume verlegt werden. Dabei müssen
insbesondere der Schutz der Schüler*innen und Beschäftigten sowie eine
verlässliche Betreuung von Kindern berücksichtigt werden. Nach aktueller
Rechtslage überlässt der Freistaat Bayern den Schulleitungen im konkreten Fall
die Entscheidung, ob Schule stattfindet oder nicht. Also kann jede Schulleitung
selbst entscheiden, ob es an Schulen hitzefrei gibt. Deshalb kann die Stadt
München nur Empfehlungen geben [7].
7) Nachbarschaftstreffs und öffentliche Gebäude sollen bei Hitzewellen (nach
DWD-Definition) als weitere kühle Zufluchtsorte zur Verfügung stehen. Die Stadt
München soll geeignete öffentliche Einrichtungen, insbesondere
Nachbarschaftstreffs, Bibliotheken, Bürgerhäuser und Kulturzentren, während
Hitzewellen möglichst lange und niedrigschwellig als Aufenthalts- und Schutzorte
zugänglich machen. Dafür müssen sie über ausreichende Verschattung, Belüftung
oder Kühlung, Sitzmöglichkeiten und Zugang zu Trinkwasser verfügen und, falls
zutreffend, in der „Karte kühler Orte“ der Stadt erfasst werden.
Darüber hinaus ist es die Aufgabe der Stadt München, für die
Nachbarschaftstreffs Ventilatoren zu beschaffen, die diese dann vor Hitzewellen
auf Anfrage an Bewohnende der Stadtviertel verleihen können, (wenn nötig auch
mit Pfandgebühr). Dabei sollen Nachbarschaftstreffs in besonders von Hitze
betroffenen Stadtvierteln mit verhältnismäßig vielen Ventilatoren ausgestattet
werden.
8) Kostenloses Trinkwasser muss überall leicht zugänglich sein. Die Stadt
München soll das Netz öffentlicher Trinkbrunnen insbesondere in stark
hitzebelasteten Quartieren weiter ausbauen und bestehende Trinkwasserstellen gut
sichtbar kennzeichnen. Zusätzlich soll München den Ausbau des Refill-Netzwerks
unterstützen, indem städtische Einrichtungen und weitere geeignete Einrichtungen
aktiv zur Teilnahme an Refill Deutschland motiviert werden. Die Standorte sollen
zentral und aktuell online auffindbar sein. Wir fordern daher die Integration
von Refill-Stationen in die städtische Karte der Trinkwasserbrunnen.
Quellen:
[7]
Begründung
37,6 Grad Celsius wurden im Juni 2026 in München gemessen – ein neuer Höchstwert an der entsprechenden Messstation [*1]. Der Sommer 2026 hat damit erneut sichtbar gemacht, was sich bereits seit Jahren abzeichnet: Extreme Hitze ist auch in München keine Ausnahme mehr. Deutschlandweit war 2026 der Sommer mit den meisten Tagen mit Temperaturen von mindestens 30 Grad seit Beginn der entsprechenden Messungen [*2].
Entscheidend ist deshalb nicht allein, wie heiß ein einzelner Sommer ausfällt. Mit der fortschreitenden Erderhitzung werden Hitzeperioden häufiger und intensiver. München muss sich deshalb dauerhaft darauf einstellen, dass hohe Temperaturen und längere Hitzeperioden zu den Rahmenbedingungen zukünftiger Stadtentwicklung gehören.
Hitze ist für viele Menschen in dieser Stadt eine konkrete gesundheitliche Belastung. Besonders gefährdet sind unter anderem ältere Menschen, Kinder und Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen. Gleichzeitig ist die Belastung innerhalb einer Stadt ungleich verteilt: Dicht bebaute und stark versiegelte Quartiere heizen sich besonders stark auf, während Bäume, Grünflächen, Verschattung und Wasser zur Abkühlung beitragen können.
München verfügt inzwischen über die notwendigen Grundlagen, um diese Unterschiede gezielt zu berücksichtigen. Die aktuelle Stadtklimaanalyse zeigt, wo im Stadtgebiet eine besonders hohe thermische Belastung besteht und deshalb dringend Maßnahmen erforderlich sind. Klimaanpassung sollte deshalb nicht nach dem Gießkannenprinzip erfolgen. Die begrenzten öffentlichen Mittel müssen vorrangig dort eingesetzt werden, wo Hitzebelastung und soziale Verwundbarkeit zusammentreffen.
Die Stadt dort kühlen, wo die Hitze am größten ist
Eine zentrale Antwort auf zunehmende Hitze ist eine grünere Stadt. Bäume und andere Vegetation spenden Schatten und tragen durch Verdunstung zur Abkühlung bei. Dach- und Fassadenbegrünungen können ebenfalls zur Verbesserung des lokalen Mikroklimas beitragen und gleichzeitig die Aufenthaltsqualität erhöhen.
Für München kommt es dabei nicht allein auf die Gesamtzahl neu gepflanzter Bäume oder begrünten Flächen an. Entscheidend ist deren räumliche Verteilung. Neue Begrünung und Verschattung sollten insbesondere dort entstehen, wo die Stadtklimaanalyse eine hohe thermische Belastung ausweist und gleichzeitig wenig vorhandenes Grün zur Verfügung steht [*3].
Damit wird Klimaanpassung zu einer Frage der Verteilungsgerechtigkeit: Wer heute besonders stark unter Hitze leidet, soll auch besonders stark von den Maßnahmen der Stadt profitieren.
Wasser zurückhalten statt Flächen weiter versiegeln
Hitze und Starkregen sind zwei Seiten derselben Herausforderung. Versiegelte Flächen heizen sich auf und verhindern gleichzeitig, dass Niederschlagswasser vor Ort versickern kann. Eine klimaangepasste Stadt muss deshalb Wasser möglichst lange im Stadtgebiet halten und für Verdunstung und Begrünung nutzbar machen.
Das Prinzip der Schwammstadt bietet hierfür einen geeigneten Ansatz. Regenwasser soll möglichst dort aufgenommen, gespeichert und wieder abgegeben werden, wo es abregnet. Entsiegelung kann deshalb gleichzeitig zur Hitzevorsorge, zur Verbesserung des lokalen Wasserhaushalts und zur Anpassung an Starkregen beitragen [*4].
Darum muss Entsiegelung zu einem selbstverständlichen Bestandteil städtischer Planung werden. Bei Bau- und Umbaumaßnahmen sollen nicht nur große Flächen betrachtet werden. Auch kleinere versiegelte Bereiche im Straßenraum, auf Plätzen und bei bestehenden Parkflächen können einen Beitrag leisten. Wo es technisch und rechtlich möglich und sinnvoll ist, sollte Versickerung gegenüber einer vollständigen Versiegelung Vorrang erhalten.
Dabei darf die Stadt nicht allein auf die eigenen Flächen schauen. Ein erheblicher Teil des Stadtgebiets befindet sich in privater Hand. Ein „Abpflastern“-Wettbewerb kann deshalb eine sinnvolle Ergänzung zu städtischen Maßnahmen sein: Bürger*innen werden motiviert, selbst aktiv zu werden, und erhalten zugleich konkrete Unterstützung bei der Umsetzung. Beispiele aus anderen Städten zeigen, dass finanzielle Anreize – etwa für Entsorgungskosten oder eine anschließende Bepflanzung – solche Maßnahmen unterstützen können [*5].
Auch hier sollte der Grundsatz gelten: Wo Hitzebelastung und fehlende Grün- und Versickerungsflächen zusammentreffen, sollte die Stadt besonders aktiv werden.
Menschen während Hitzewellen unmittelbar schützen
Stadtplanung wirkt langfristig. Während einer konkreten Hitzewelle brauchen Menschen jedoch auch kurzfristig Schutz. Nicht alle Menschen können ihre Wohnung ausreichend kühlen oder sich einfach an einen kühleren Ort begeben. Öffentliche Einrichtungen können deshalb eine wichtige Funktion als niedrigschwellige Schutz- und Aufenthaltsorte übernehmen [*6] [*7].
Insbesondere Nachbarschaftstreffs und andere geeignete öffentliche Einrichtungen sollten während Hitzewellen möglichst vielen Menschen offenstehen und über eine ausreichende Belüftung beziehungsweise Kühlung verfügen. Welche Ausstattung jeweils erforderlich ist, sollte sich dabei am konkreten Bedarf und an der örtlichen Hitzebelastung orientieren.
Auch der Zugang zu Trinkwasser muss möglichst einfach sein. Bestehende Trinkbrunnen und Refill-Angebote sollten deshalb besser sichtbar und öffentlich kommuniziert werden. Gerade während einer Hitzewelle müssen Informationen über erreichbare Trink- und Aufenthaltsmöglichkeiten schnell und unkompliziert verfügbar sein [*8].
Schulen und Nahverkehr als Orte besonderer Hitzebelastung
Besondere Aufmerksamkeit verdienen Orte, an denen sich Menschen auch während einer Hitzewelle über längere Zeit aufhalten müssen. Dazu gehören Schulen ebenso wie der öffentliche Nahverkehr.
Hohe Temperaturen in Schulen können das Wohlbefinden und die Konzentrationsfähigkeit beeinträchtigen. Gleichzeitig gehören Kinder zu den besonders hitzeempfindlichen Bevölkerungsgruppen. Deshalb brauchen städtische Schulen klare Empfehlungen für den Umgang mit extremen Hitzebelastungen. Langfristig müssen außerdem bauliche Maßnahmen wie Verschattung, geeigneter sommerlicher Wärmeschutz, Begrünung und – wo erforderlich – effiziente Kühlung stärker berücksichtigt werden [*9].
Auch Busse und Bahnen müssen bei zunehmenden Temperaturen zuverlässig nutzbar bleiben. Wer auf den öffentlichen Nahverkehr angewiesen ist, kann hohen Temperaturen im Fahrzeug nicht ohne Weiteres ausweichen. Die Stadt soll sich deshalb dafür einsetzen, die Klimatisierung und Belüftung des Münchner Nahverkehrs weiter zu verbessern und besonders hitzeexponierte beziehungsweise bislang nicht ausreichend klimatisierte Fahrzeuge und Linien prioritär zu berücksichtigen.
Klimaanpassung muss zum Maßstab städtischer Planung werden
Die genannten Maßnahmen dürfen nicht von einzelnen Förderprogrammen oder kurzfristigen Projekten abhängen. Wenn München dauerhaft mit zunehmender Hitze umgehen muss, muss Klimaanpassung zu einem festen Bestandteil der städtischen Planung werden.
Die aktuelle Stadtklimaanalyse bietet hierfür bereits eine wichtige Grundlage. Sie ermöglicht es, thermische Belastungen räumlich zu erfassen und bei der Planung des Stadtgebiets zu berücksichtigen. Diese Informationen müssen deshalb konsequent in Bau-, Sanierungs- und Freiraumplanung einfließen [*10].
Bei jedem städtischen Bau- und Umbauprojekt sollte deshalb systematisch gefragt werden: Wie kann Hitze reduziert werden? Wo kann Schatten entstehen? Welche Flächen können begrünt oder entsiegelt werden? Wie kann Regenwasser vor Ort gehalten werden? Und wie kann verhindert werden, dass heute Strukturen entstehen, die München künftig noch stärker aufheizen?
Dabei sollen insbesondere Projekte in stark hitzebelasteten und sozial besonders vulnerablen Quartieren priorisiert werden. Klimaanpassung wird so von einer freiwilligen Zusatzleistung zu einem regulären Maßstab guter Stadtplanung.
Klimaanpassung muss sozial gerecht sein
Hitze trifft Menschen nicht unabhängig von ihren Lebensbedingungen. Die individuelle Belastung hängt unter anderem von Alter, gesundheitlicher Situation, Wohnverhältnissen, Einkommen und der Möglichkeit ab, der Hitze auszuweichen. Auch die räumliche Verteilung von Grün, Schatten und stark versiegelten Flächen ist innerhalb einer Stadt ungleich [*11].
Für München bestehen bereits Hinweise darauf, dass Umweltressourcen sozial unterschiedlich verteilt sind. Untersuchungen des Umweltbundesamtes zeigen beispielsweise Zusammenhänge zwischen sozioökonomischem Status und der Verfügbarkeit von Grünflächen in Münchner Nachbarschaften. Gleichzeitig bestehen weiterhin Wissenslücken darüber, wie unterschiedliche soziale Gruppen konkret von Hitze und anderen Umweltbelastungen betroffen sind [*12].
Deshalb braucht München eine systematische Betrachtung dieser Ungleichheiten. Die Stadt soll erfassen, wo sich hohe thermische Belastung, geringe Verfügbarkeit von Grün und Verschattung sowie eine erhöhte soziale Vulnerabilität überschneiden. Diese Analyse darf nicht Selbstzweck sein: Ihre Ergebnisse müssen unmittelbar in die Priorisierung kommunaler Klimaanpassungsmaßnahmen einfließen.
So entsteht ein klarer Grundsatz für die Münchner Klimaanpassung: Nicht dort anfangen, wo eine Maßnahme am einfachsten umzusetzen ist, sondern dort, wo sie am dringendsten gebraucht wird.
München muss jetzt vorsorgen
München hat mit der Stadtklimaanalyse und bestehenden Klimaanpassungsstrategien bereits wichtige Grundlagen geschaffen. Jetzt kommt es darauf an, aus diesen Grundlagen konsequentes kommunales Handeln abzuleiten.
Eine hitzeresiliente Stadt entsteht nicht durch eine einzelne Großmaßnahme. Sie entsteht durch viele miteinander verbundene Veränderungen: mehr Schatten und Begrünung, weniger Versiegelung, mehr Wasserrückhalt, hitzetaugliche öffentliche Gebäude und Verkehrsmittel sowie einen unmittelbaren Schutz der Menschen während extremer Hitze.
Dabei muss die Stadt ihre Ressourcen gezielt einsetzen. Die Orte mit der höchsten Hitzebelastung und der größten sozialen Verwundbarkeit müssen dabei zuerst berücksichtigt werden. So wird Klimaanpassung nicht nur zu einer ökologischen, sondern auch zu einer Frage der sozialen Gerechtigkeit – und München zu einer Stadt, die auch unter den Bedingungen zunehmender Hitze lebenswert bleibt.
Quellen:
[*1]
[*2]
[*3]
[*4]
- https://www.bundestag.de/resource/blob/1137624/WD-5-091-25.pdf (Konzept der Schwammstadt)
[*5]
[*6]
[*7]
[*8]
[*9]
[*10]
[*11]
[*12]
Zustimmung
- Benjamin Okala
Kommentare